|
Es funktioniert!
Um darüber mehr zu erfahren, startete ich Anfang 2008 eine Testreihe mit verschiedenen Freiwilligen, für deren Mitwirkung ich mich an dieser Stelle gerne noch einmal bedanke. Bedingung war: ein Veränderungswunsch, die Bereitschaft, sich einer Tranceinduktion zu unterziehen, währenddessen eine Zeitspanne ohne Suggestionen (Schweigen) zu erleben und dabei den Hautwiderstand messen zu lassen. Dazu: eine Messung des Hautwiderstands bedeutet zunächst mal nur die Messung des Hautwiderstands - es wird dabei keine Trancetiefe oder Suggestibilität oder eine sonstige "geistige Tätigkeit" gemessen. Aber: der Hautwiderstand verändert sich abhängig von der Schweißproduktion in den entsprechenden Drüsen, was grob als Indikator für geistige Anspannung/Entspannung angesehen werden kann. Die Messungen ergaben im wesentlichen:
Mit anderen Worten: wenn ein Hypnotiseur während einer Hypnose längere Zeit schweigt, ist nicht zu befürchten, dass Rapport oder Trance irgendwie darunter leiden oder gar "zusammenbrechen". Schweigen stellt also "in technischer Hinsicht" keinerlei Hinderungsgrund für die Aufrechterhaltung einer Trance dar. Anzumerken ist hier allerdings, dass die Probanden von vornherein darauf vorbereitet waren - durch das Vorgespräch und durch eine entsprechende Suggestion während der Hypnose: "Ich werde jetzt schweigen." In diesem Zusammenhang ergab sich übrigens "am Rande" eine für die Anwendung des Verfahrens wichtige Erkenntnis: Schweigen ist nicht gleich Schweigen! Das verwendete Messverfahren zeigt Befindlichkeitsänderungen sehr schnell an (innerhalb von 1 bis 2 Sek.), so dass erkennbar wurde, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich völlig ruhig verhält und damit für den Probanden, der die Augen geschlossen hält, gar nicht mehr wahrnehmbar ist, oder ob man durch vernehmliches Atmen, Räuspern, Kleidung-Rascheln pp. seine Anwesenheit weiter signalisiert. So ließ sich in mehreren Fällen ein plötzlicher kleiner Anstieg der Anspannung durch ein lauteres Atmen "beantworten" und damit wieder neutralisieren.
Weiterhin wertete ich therapeutische Literatur in Bezug auf "inhaltsloses" Vorgehen aus und fand dort nicht nur Hinweise darauf, sondern sogar dezidierte Anweisungen für ein Vorgehen, was die hier vorgestellte Heilschlaf-Hypnose exakt bekräftigt. Doch seltsamer Weise hat so ein Ansatz bisher offensichtlich keine wirkliche Verbreitung gefunden. Und ich untersuchte andere therapeutische Verfahren, die ihrerseits erfolgreich waren, ohne dabei inhaltliche Vorgaben zu machen. Als Beispiel sei hier nur auf EFT und EMDR verwiesen. Beim EFT werden verschiedene Körperpunkte "beklopft", während sich ein Klient einen formelhaften Satz vergegenwärtigt, beim EMDR werden die Augen hin- und herbewegt, während sich ein Klient auf eine Problematik fokussiert. Positive Veränderungen entstehen auch hier "allein im Klienten", ohne dass dazu konkrete Vorgaben gemacht werden müssten.
Jedenfalls habe ich besagte Technik der "Heilschlaf-Hypnose" inzwischen mehrfach eingesetzt und bin von ihrer Wirksamkeit überzeugt. Ich kann dazu keine validen Studien vorweisen, aber wenn eine Person das Problem äußert, dass sie sich zu nichts aufraffen könne und unter Trägheit leide, um dann einige Monate später ins Ausland umgesiedelt zu sein und sich dort selbstständig gemacht zu haben, finde ich das doch schon bemerkenswert (viel Erfolg auch noch mal an dieser Stelle!). Und das ist nur ein Beispiel von weiteren. Mein Fazit: es funktioniert. Manchmal ist "weniger" offenbar "mehr".
|